Die Flut
Die Kurzgeschichte "Die Flut ist pünktlich" von Siegfried Lenz gehört zur Gattung Epik, da der
Erzähler nicht an der Handlung teilhat, sondern eher die bloße Er-Form wählt. Außerdem bedient er
(der Epiker) sich der Technik der Rückblende.
Die Geschichte ist eine Unterordnung der Epik, in Form einer Kurzgeschichte. Ein besonderes
Kennzeichen dafür ist der abrupte Einstieg in die Handlung.
"Zuerst sah er ihren Mann." (Z.1, S.103).
Ebenfalls typisch für eine Kurzgeschichte ist, dass sie vom Schluss her geschrieben ist.
Die Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler berichtet und spielt auf einer Insel am
Wattenmeer.
Die Geschichte handelt von drei Personen: Von einem Ehepaar und einem weiteren Mann. Das Paar hat
seit zwei Jahren eine Ehekrise, die durch den sechsmonatigen Auslandaufenthalts des Ehemannes
ausgelöst wurde. Seine Ehefrau äußert sich im Text derart: "Er hat sich in Dharan etwas geholt, und er
wußte es." (Z.39, S.106), dass die Vermutung nahe liegt, dass ihr Mann sich während des
Auslandaufenthalts mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hat. Der weitere Mann namens Tom,
eher ein stiller und aufmerksamer Beobachter, ist der Liebhaber der Frau. In der Hoffnung, ihre Krise
zu bewältigen fährt das Ehepaar auf eine Insel. Doch hier kommt alles ganz anders.
Während der Mann täglich seine Wattwanderung macht, geht sie zu ihrem vermutlichen Liebhaber
Tom.
Im Verlauf der Geschichte drängt Tom sie mehrfach dazu, ihren Mann auf seinem Spaziergang zu
begleiten. Dies steht jedoch nur scheinbar im Gegensatz zu seinem Verhältnis mit der Frau, weil
vermutlich sein schlechtes Gewissen der Anlass zu seinem Drängen ist.
Die Frau hat zwei Jahre lang von dem vermuteten Betrug ihres Mannes gewusst, doch erst an diesem
Morgen wurde ihr deutlich, dass diese Ehe keine ausreichende Basis mehr besaß.
Ich vermute, dass die Frau aus diesem Grund den Entschluss gefasst hat, durch das Verstellen der Uhr
ihres Mannes, diesen zu einem falschen Zeitpunkt seine Wanderung durchs Watt beginnen zu lassen-