den groβen Künstler, indem er die Schönheit der Natur auf seinen Papieren spiegelt. Oder im
Vergleich mit der Gesellschaft: ”Ein Mensch, der sich nach ihnen bildet, wird nie etwas
Abgeschmacktes und Schlechtes hervorbringen…” (Seite 15
12
).
Im Gefühle von ruhigem Dasein macht Werther sich viele Gedanken über das Leben und meint,
dass es eigentlich nur ein Traum ist, und dass es ein anderes, richtigeres Leben gibt. Im Gegensatz
zu den meisten Menschen und der Gesellschaft findet er nicht, dass man jeden Schlag, den das
Schicksal einem gibt, aushalten soll, aber dass es in Ordnung aufzugeben ist, wenn es zuviel wird.
Werther kann nicht wie andere Menschen das Leben akzeptieren und mehr aus ihm machen, wenn
es für ihn zu streng ist. Er meint, dass der Tod die Freiheit ist, und ”…dass er diesen Kerker
verlassen kann, wann er will” (Seite 13
8
).
Eines Tages trifft Werther dann die junge Tochter eines Amtmannes, Charlotte (normalerweise wird
sie nur Lotte genannt), und er verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Sie ist aber mit dem jungen
Albert verlobt, der auf einige Zeit weggereist ist. Trotzdem verbringt Werther sehr viele Zeit
zusammen mit Lotte, faktisch jeden Tag. Am Anfang bei der ersten Begegnung und auf dem Ball
wird er von ihrer reizvollen Schönheit und ihrer Ausstrahlung bezaubert; sie ist wie kein von den
Mädchen, die er zuvor getroffen hat, denn ihre Bewegungen, ihr Benehmen und ihr Gedankengang
faszinieren ihn. In ihrem weiβen Kleid strahlt sie Unschuld aus, und sie wird von Werther wie ein
perfekter Engel aufgefassen.
Werther lebt diese paradiesischen Gefühle völlig aus, und seine Liebe wird in seinem Benehmen
gespiegelt. Er ist so glücklich wie nie zuvor, und die Welt kommt ihm ganz neu und wunderbar
vor… als ein Paradies. Manchmal bildet er sich auch ein, dass seine Liebe sich in den Augen Lottes
spiegelt – dass sie ihn vielleicht auch Lieb hat. Aber in dieser Zeit wird es für ihn immer
schwieriger sich in die Gesellschaft einzuordnen. Er passt nicht ein, aber er kümmert sich nicht
darüber und tut, was er will, und wann er will. Diese Entwicklung seines Charakters wird sehr
deutlich, als Albert nach Hause kommt, weil dann benimmt er sich kindisch und unkonventionell.
Auch Werthers Gefühle für lotte ändern sich, weil langsam wird seine Faszination zu einer
leidenschaftlichen Liebe, und Werther lebt für die Augenblicke und die zufälligen Berührungen, die
er mit Lotte hat. Sie ist ihn heilig geworden, und er ist wie beseβt von ihr. Unbewuβt will er das
haben, was er nicht haben kann (sie gehört ja einen anderen Mann), und deswegen verliert er nicht
sein Interesse an ihr. Er stöβt die Tatsache von sich, dass sie unerreichbar ist. Aber unbewuβt ist es
ihm klar, und das Gefühl von Ohnmacht und Leere zerfriβt ihn von innen. Das Einzige, das ihm